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Witcher 3 Remastered im Test – Witcher werden nicht älter, sie werden nur besser

Dank Raytracing, neuen Animationen und Komfort-Features erstrahlt Geralts Abenteuer schöner denn je. Mal gucken, ob er damit fit für das nächste Add-On ist.

[The Witcher 3 Remastered] Screenshot: Nahaufnahme von Geralt in Kettenrüstung mit weißen Haaren und markanten Gesichtsnarben.
Die Frage ist nicht, ob Witcher 3 Remastered im Jahr 2026 mithalten kann. Die Frage ist, welches vergleichbare Spiel der letzten zehn Jahre ihm die Stirn bieten kann und das ist eine sehr kurze Liste. Immer noch eines der besten Open-World-RPGs, jetzt mit mehr Feinschliff, mehr Raytracing und mehr Optionen.

Ich musste nachgucken, wie viele Jahre der Witcher jetzt auf dem Buckel hat. Es hilft nicht viel sein Alter zu schätzen, dass man ihm in Witcher 3: Remastered kaum eines seiner Jahre ansieht. Es waren weniger, als ich gedacht hätte. Nur elf, 2015 erschien CD Projekts Sprung in die Triple-A-Liga. Ich hätte gedacht, dass es schon länger her ist, so ungefähr das Skyrim-Alter. Aber das war schon 2011. Nun, nach hinten raus verschwimmt das alles etwas, aber was im Gedächtnis blieb, ist, dass Skyrim mindestens ein oder zwei Mal von euch frisches Geld für die neueste Version wollte. Der Witcher tut euch diesen Gefallen mit Witcher 3 Remastered mal wieder umsonst.

Witcher 3 Remastered Screenshot: Geralt blickt von einem Holzsteg auf einen Hafen mit Schiffen im orangefarbenen Sonnenuntergang.
Kein Spiel kann der Magic Hour widerstehen und Witcher 3 Remastered zelebriert sie besonders schön. Wenn es mal wieder nicht gerade regnet.

Version 5 von Witcher 3 ist jetzt seit ein paar Tagen bei mir installiert und ich muss schon sagen: Geralt, wenn wir uns doch nur alle so gut die letzten zehn Jahre gehalten hätten. Im Vorfeld des kommenden Add-ons "Songs of the Past" hat sich der alte Hexer noch mal richtig schick gemacht. Ich weiß, im Vorfeld gab es da ein wenig Zweifel, aber hey, wenn euch die neue Raytracing-Version partout nicht passt, dann spielt eben weiter ohne. Witcher 3 Remastered gibt euch alle Optionen.

Witcher 3 Remastered Screenshot: Das Menü für Barrierefreiheit zeigt aktivierbare Hilfen wie unendlichen Atem.
PC-Spieler hatten diese Optionen mit Mods schon lange, in Witcher 3 Remastered hat sie jetzt jeder.

Persönlich bin ich vom Raytracing-Look angetan. Wenn die Sonne richtig auf die Dörfer oder Burgen fällt, dann sieht man schon, warum heute alles Raytracing sein soll. Die Lichteffekte sind auf dem Level moderner, großer Open-World-Titel oder zumindest so nah dran, dass der Unterschied zu vernachlässigen ist. Dawnwalker kann da nicht ganz mithalten und die Elder-Scrolls-Updates ganz sicher nicht, zumindest wenn man nicht massiv auf richtig hardwarehungrige Mods setzt. Wenn Witcher 3 in dieser Form heute als Triple-A-RPG erscheinen würde, ich würde das nicht in Frage stellen. Okay, ich würde auch sagen, dass es hier und da an ein paar Ecken ruhig noch mal ein klein wenig mehr Politur gebraucht hätte, dass die Modelle der Bauwerke oder einiger Objekte nicht so perfekt detailliert sind, wie man es gern hätte, Kleinkram eben. Kleinkram, den man vergisst, wenn man ein weiteres Mal in einen traumhaften Sonnenaufgang reitet und die Lichtstrahlen sich genau richtig auf dem Wasser spiegeln.

Aber dann wiederum, wenn ihr die letzte Version davor, 4.irgendwas, installiert hattet, das war jetzt auch nicht schlecht. Wie bereits gesagt, CD Projekt betrieb diese Pflege am Produkt schon länger und der ganz große Sprung wäre natürlich von Witcher 3 Vanilla auf Witcher 3 Remastered. Bei wem der Ausflug in die Witcher-Welt eine Dekade zurückliegt, der wird sich die Augen reiben. Wer letzte Woche noch Version 4 laufen hatte, mehr anerkennend nicken. Ich hatte zum Test hier am Wochenende nur eine 5070 Mobile in einem Laptop, also nicht gerade State of the Art. Aber in 1080p konnte ich ohne Pathtracing alles anschalten und bekam mit 2-facher Frame-Generation immer noch stabile 60 Frames mit allem, was sonst noch geht. In WQHD waren es dann nur noch um die 40, 30, wenn ich es auf 1080p beließ, aber Pathtracing dazuholte. Witcher 3 ist mit allen Extras und Effekten auf hohen Auflösungen kein anspruchsloses Spiel. Auszusehen wie ein modernes Game erfordert eben auch moderne Hardware, das dürfte jetzt exakt niemanden überraschen, aber ich will es noch mal erwähnt haben. 4K und Pathtracing? Herzlichen Glückwunsch, eure 5090 bekommt was zu tun.

Witcher 3 Remastered Screenshot: Das Menü für Grafikeinstellungen zeigt die deaktivierte Option für Path Tracing.
Mit neuen Raytracing-Features bietet Witcher 3 Remastered viel zum Herumspielen, aber auf hohen Auflösungen, mit vielen der Features an, sieht das Spiel nicht nur aus wie ein 2026-Top-Titel, es braucht auch 2026-Hardware.

Im Zuge der Modernisierung läuft Geralt jetzt nicht mehr wie 2015, sondern etwas eleganter. In Kämpfen bekam er ein paar neue Bewegungen und Animationsphasen spendiert, die Laufanimation selbst ist flüssiger, es spielt sich alles etwas runder. Vor allem, dass Geralt sich nun über Zäune schwingt, statt wie ein Frosch aus dem Stand drüberzuhüpfen, gibt ihm etwas verlorene Würde zurück. Was Plötze, seinen treuen Gaul, angeht: Es wurde betont, dass sie nun weniger an herumstehenden Bäumen, Häusern oder Rittern hängen bleiben soll. Das Erste, was Plötze hier tat, war, an Bäumen, Häusern und Rittern hängen zu bleiben. Es ist gut, dass das Leben ein paar Konstanten bietet. In einer sich rasant wandelnden Welt ist es ein wenig Balsam für die Seele, zu sehen, dass Plötze sich ihren Sturkopf bewahrte. Und spielerisch ist das auch alles kein Thema. Heute wie damals reicht ein kurzes Ziehen am Zaum und sie trottet wieder brav weiter.

Eine ganze Reihe von Komfort-Features lässt sich nun einstellen, ohne dass ihr erst Mods laden müsst – was auf den Konsolen eh keine Option war. Waffenöle automatisch nutzen, unendlich tauchen, schneller auf unsinkbaren Booten fahren, all das und noch mehr findet sich im Menü. Für das echte Witcher-3-Spielerlebnis würde ich sie erst einmal auslassen. Aber wer dann an dem Punkt ist, alle Sammelitems einzusammeln und mit einem Bötchen von Punkt zu Punkt auf der Karte schippert, wird sie zu schätzen wissen. Ich hätte es damals sicher getan.

Die Legende besagt auch, dass es einen neuen Fertigkeitenbaum in Remastered geben soll, aber das stimmt nicht. Es sind immer noch die alten vier plus die Mutagene aus Blood and Wine, aber die Bäume selbst wurden überarbeitet. Ein paar neue Fertigkeiten kamen in ich glaube allen vier dazu. Nichts, was jetzt das alles verändern würde. Schneller Angriff finde ichnicht mehr, jetzt gibt es 3 Angriffe plus ein Upgrade dessen. Am Ende der Bäume blieb alles gleich, nach oben hin wurde auf Basis einer Dekade Erfeharung etwas anders gefächert. Ich denke, nicht, dass da was Entscheidendes dabei ist, niemand wird jetzt Witcher anders spielen als je zuvor. Es ist ein wenig wie der Kampf selbst, der dank besserer Animationen flüssiger läuft: Sicher, es ist immer noch das Zwei-Tasten-Gebashe, das es im Grunde immer war, aber es gibt jetzt mehr elegante Variationen, um das etwas zu kaschieren.

Witcher 3 Remastered Screenshot: Der Fähigkeitenbaum für den Kampf mit hervorgehobenem Talent Klingenfokus.
Die Fertigkeitenbäume wurden in Witcher 3 Remastered ein wenig geschliffen, aber erwartet keine Revolution, die das Spiel umkrempelt.

Nicht, dass sich Witcher 3 je für das, was es ist, schlecht gespielt hätte. Zu seiner Zeit war dies ein elegantes Action-RPG und mit den Verbesserungen jetzt ist es das immer noch, und zwar auf aktuellem Niveau. Das neue Gegnerverhalten hilft dabei ein wenig. Gerade schwächere Feinde in Gruppen koordinieren sich etwas besser – oder vielmehr überhaupt mal – und es fühlt sich weniger nach dem stumpfen Herumgehacke an, mit dem man früher eine Gruppe Ghule niedermachte. Jetzt wehren sie sich wenigstens, und wenn es nur pro forma ist.

Was den Witcher 3 sonst angeht: Die letzten 10 Jahre gab es kaum ein großes Open-World-RPG, das sich nicht dem Vergleich mit diesem Meilenstein stellen musste, und ehrlich gesagt wurden die meisten für zu leicht befunden. Die Hauptstory ist solide, einige der Nebenquests herausragend, die Charaktere gut geschrieben und Hearts of Stone – damals das erste Add-on – ist vielleicht die bestgeschriebene Fantasy-Quest überhaupt. Wenn nicht, dann zumindest nah dran. Blood & Wine ist immer noch einer der Gradmesser, was in einem Add-On geleistet werden kann. Beide Add-Ons sind im Remaster dabei, weil sie ein integraler Bestandteil dieser Welt sind. Bei diesem Remaster stellt sich nicht die Frage, ob Witcher 3 noch gut ist. Es ist so gut, dass man auch zehn Jahre und zig Spiele später grübeln muss, welcher Konkurrent, selbst heute, dem Witcher das Wasser reichen kann.

Witcher 3 Remastered Screenshot: Geralt steht an einem bewölkten Tag auf einem Steg und blickt über Wasser auf eine Stadt.
The Witcher 3 ist auch als Remastered immer noch eine der beeindruckendsten Visionen dessen, was eine Fantasy-Open-World sein und leisten kann.

Also ja, natürlich, sollte es da draußen jemanden geben, der noch nicht Witcher 3 in einem der acht Millionen Sales mitgenommen hat, dann ja, auf jeden Fall: Kaufen, spielen und eine der dichtesten, aufregendsten, spannendsten Welten und Charaktersammlungen überhaupt in einem Game erleben. Sofort. Oder auf den nächsten Sale warten, keine Sorge, zuletzt war die Taktung alle acht Wochen oder so. Witcher 3 Remastered muss gespielt werden, das ist keine Frage. Meine Frage vor dem Test war eher: Muss Witcher noch mal gespielt werden, und da bin ich etwas unentschlossen. Story und Charaktere sind so gut, dass ich mich sogar zig Jahre später noch daran erinnere. Mein Geralt hatte eigentlich seine Reise und sie dauerte 150 Stunden alles in allem. Aber dann wiederum hatte ich diese fünf Stunden mit Witcher 3 Remastered so viel Spaß, dass ich zumindest mal gucken werde, wie weit es geht. Das Gute ist: Wenn ihr Witcher 3 schon mal irgendwie, irgendwann gekauft habt, dann startet es morgen einfach und findet es selbst heraus. Kostet ja nicht extra.

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